Psychosomatik: Colitis-ulcerosa-Schub nach einer Trennung?

Es gab mal eine (kurze) Zeit, da sah man chronisch-entzündliche Darmerkrankungen als rein bzw. überwiegend psychosomatisch an. Ein bekannter Arzt und Autor schreibt zum Thema Colitis ulcerosa beispielsweise: „typischerweise stellen sich Schübe der Erkrankung nach Trennung von einem langjährigen Partner ein!“

 

Wie sieht es in der Realität aus? Trennung = Schub?

 

Meiner Beobachtung nach stellen sich Beschwerden, und damit der Schub, schon in der letzten Phase einer Partnerschaft ein, wenn die Richtung in eine Trennung geht. Verschärft wird das Ganze noch, wenn der betroffene Partner eigentlich an einen Fortbestand der Beziehung glaubt - das ist jedenfalls meine Erfahrung. Dass die Symptome eskalieren, wenn die Partnerschaft wirklich zu Ende ist, hat den folgenden Grund:

 

Egal, ob die endgültige Trennung als befreiend oder belastend empfunden wird: der massive Stress der Endphase der Beziehung ist erst einmal Vergangenheit. Auch wenn die Trennung niederschmetternd ist - vom autonomen Nervensystem her stellt sich in jedem Fall eine gewisse Entspannung ein. Durch diese Entspannung wird aber das vorher geschwächte Immunsystem reaktiviert und mobilisiert. Man kann das Ganze damit vergleichen, dass eine Hilfstruppe endlich an einen Ort der Verwüstung gelangt, dabei das gesamte Ausmaß der Verwüstung erfasst und sich unverzüglich an die Aufräumarbeiten macht. Das eigentliche Drama für die Darmschleimhaut hat aber bereits vorher stattgefunden:

 

In jeder Stresssituation sind die Darmschleimhäute angegriffen

 

Es ist egal, wo der Stress herkommt: ob toter Zahn, ob massive technische Strahlung oder in Form von psychischem Stress, wie in unserem Falle eine Partnerschaft der Güteklasse „der Feind in meinem Bett“. Stress bedeutet, dass sämtliche Schleimhäute des Körpers unterversorgt sind: mit Nährstoffen, mit Sauerstoff, mit Blut. Auch eine Darmschleimhaut kann im übertragenen Sinne „hungern“ und damit schwächer werden. Im Falle der Dickdarmschleimhaut schwächer als Trennlinie gegenüber den Milliarden von Darmbakterien, mit denen sie eigentlich in Symbiose lebt.

 

Durch den Stress wird die Symbiose gestört. Es kommt zu Stress-und Reizzuständen, auf der anderen Seite kann sich die Darmflora verändern. Im nach der Stressphase zwangsläufig irgendwann erfolgenden Entspannungszustand realisiert das unspezifische Immunsystem das Problem und muss eingreifen. Dadurch kommt es noch einmal zu einer Verstärkung der sowieso schon vorhandenen Symptome.

 

So funktioniert „Psychosomatik“

 

An diesem Beispiel kann man sehr schön sehen, dass man eine psychosomatische Betrachtung durchaus auch auf medizinische bzw. biologische Vorgänge beziehen kann. Das ist die eigentliche Bedeutung des Worts Psychosomatik: Psyche, aus dem griechischen: der Geist, Soma, ebenfalls aus dem griechischen: der Körper. In diesem Sinne: „vom Geist in den Körper“.

 

Geistige Probleme auf körperlicher Ebene zu therapieren funktioniert - allerdings nur mit Einschränkungen…

 

Jetzt könnte man meinen, Stress und Entspannung bzw. Probleme des Alltags, die mit Stress, Entspannung bzw. Erschöpfung einhergehen müssten sich dann entsprechend auf körperlicher Ebene therapieren lassen. Medizinisch gedacht, indem man die Dosis von Kortison oder Salofalk erhöht, naturheilkundlich gedacht, indem man zum Beispiel Kombination von Aminosäuren, wie zum Beispiel 5-Hydroxytryptophan, S-Adenosyl-Methionin mit Glutathion, eventuell noch B-Vitaminen und bestimmten Spurenelementen einnimmt. Funktioniert das?

 

Es dämpft, aber es heilt nicht - wahrscheinlich können Sie auf diese Art und Weise „das Schlimmste verhindern“. „Heilung“ geistiger Probleme erfolgt aber - Naturwissenschaft hin oder her - nur auf dieser Ebene! Was im Übrigen nicht nur für Colitis ulcerosa oder allgemein chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gilt!

 

Symptome lindern kann man immer - heilen würde in diesem Falle heißen, sich innerlich frei und unabhängig zu machen. Was natürlich leichter gesagt als getan ist, das gebe ich zu!

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