„Ich muss noch während des Essens auf die Toilette - ist das normal?“

Wenn ich meiner persönlichen Statistik vertraue, berichten etwa 60 % meiner Darm-Patienten darüber, dass sie häufig noch während oder zumindest kurz nach dem Essen Stuhldrang bekommen und das WC aufsuchen müssen. Interessanterweise ist das Problem bei Morbus-Crohn-Patienten etwas häufiger vertreten als bei Colitis-ulcerosa-Patienten, auch und gerade wenn überwiegend bzw. ausschließlich der Dünndarm erkrankt ist.

 

Die Antwort auf die obige Frage existiert zweimal:

 

Zunächst einmal - was da unten dann rauskommt, ist nicht das Essen, das Sie gerade verputzt haben. Das ist anatomisch und biochemisch gesehen nämlich völlig unmöglich. Je nach Durchlaufgeschwindigkeit benötigen Speisen vom Mund bis zum Enddarm zwischen 12 Stunden (bei Durchfall) und etwa 100-120 Stunden (bei sehr hartnäckiger Verstopfung).

 

Vagusnerv beeinflusst den Stuhldrang

 

Der Vagusnerv, auch als enterischer Nerv bekannt, löst reflektorisch den Stuhldrang aus, wenn er von oben „Nachschub“ erfährt. Normalerweise ist es allerdings so, dass der Verdauungsvorgang ein Stück weit fortgeschritten sein muss. Anders sieht es aus in Situationen, in denen der Vagusnerv (mit überwiegenden Anteilen vom Parasympathikus) gereizt ist. Durch chronische Vergiftung und Entzündung wird dieser Nerv häufig gereizt. Vergiftung in diesem Fall bedeutet Schadstoffbelastung in einem umweltmedizinischen Sinn. D.h., der Körper muss sich mit Stoffen in seinem Inneren auseinandersetzen, die für ihn schädlich sind.

 

Leider können hier Kleinigkeiten eine sehr langfristige Verschlechterung verursachen. Es ist nicht nur wichtig, welche Schadstoffe den Körper belasten, sondern wie empfindlich er darauf reagiert. Da ich bei Morbus Crohn wesentlich häufiger als bei Colitis ulcerosa eine allergische Vorgeschichte registriere, muss von einer höheren Sensibilität gegenüber Umweltschadstoffen ausgegangen werden. Der Vagusnerv ist in solchen Fällen wesentlich häufiger gereizt als bei Colitis ulcerosa.

 

Ich erfrage dieses Symptom übrigens regelmäßig in meiner Anamnese. Mithilfe des anschließenden umweltmedizinischen Fragenkatalogs kann ich Rückschlüsse ziehen auf die Art der Belastung. Das Symptom „Stuhldrang während oder unmittelbar nach dem Essen“ reagiert in den meisten Fällen binnen 2-3 Behandlungen auf die Therapie. Das vegetative Nervensystem (von dem der enterische Nerv ein Teil ist) muss zuerst stabilisiert werden, bevor man die belastenden Umweltschadstoffe aus dem Körper entgiften kann.

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