Gluten(un)verträglichkeit - Kinder schon früh an Gluten gewöhnen?

Seit einigen Tagen macht eine etwas merkwürdige Gesundheits-Meldung die Runde: wenn es nach der neuesten Auffassung einiger Wissenschaftler geht, sollte man Babys so früh wie möglich an das Getreide-Klebereiweiß Gluten gewöhnen. Der Grund: je früher ein Baby mit Gluten konfrontiert wird, umso unwahrscheinlicher ist es, dass sich im späteren Lebensalter eine Glutenintoleranz entwickelt.

 

Glutenintoleranz und Zöliakie - zwei verschiedene Probleme mit ähnlicher Auswirkung

 

Die Protagonisten solcher Studien denken wahrscheinlich nicht unbedingt an die allergische Erkrankung Zöliakie, bei der ja Antikörper gegen einen Bestandteil des Glutens, das Gliadin, nachgewiesen sind. Jemand kann auch eine Sensibilität gegenüber Gluten haben, ohne dass er Antikörper in sich trägt. Der korrekte Ausdruck für diesen Krankheitszustand ist „Glutensensitive Enteropathie“. Sollte jemand Antikörper gegen Gluten haben, kann das sogar das Ergebnis einer zu frühen Konfrontation mit diesem Eiweiß, das sich in verschiedenen Getreidesorten findet, sein.

 

Man darf nicht vergessen, dass die Darmflora sich wie so viele andere Dinge auch um die Geburt und mit der Zeit nach der Geburt entwickelt und nicht etwa schon von vornherein da ist. Trifft also ein so komplexer Eiweißbaustein wie Gluten auf eine noch nicht „fertige“ Darmflora, ist die Wahrscheinlichkeit, später an einer Allergie zu leiden, wahrscheinlich eher noch höher als dass sie sinkt.

 

Auch im anderen Fall - ohne eine mögliche Allergie im Hinterkopf - ist einer langen Stillzeit der Vorzug zu geben

 

Wenn man Kinder so früh wie es geht an Gluten gewöhnt, wird ja ein schon über Jahrzehnte immer wieder gepredigter Gesundheits-Leitsatz ad absurdum geführt: nämlich der, dass es sinnvoll ist, möglichst lange zu stillen. Geht man danach, sind 6-9 Monate auf jeden Fall sinnvoll.

 

Kurz und knapp: ich halte es nicht für sinnvoll, Babys so früh wie es geht an Gluten zu gewöhnen. Dass die Wahrscheinlichkeit, später eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung zu erleiden, bei einer „frühzeitigen Gewöhnung an Gluten“ erhöht ist, glaube ich zwar nicht - hier spielen andere Faktoren mit Sicherheit eine weit größere Rolle. Allerdings sehe ich in dieser Praxis beim besten Willen keinerlei Vorteile, zumal es ja nicht nur um einen Eiweißbaustein im Getreide geht, sondern um die neuen Getreidezüchtung und um die vielen Nahrungsmittelzusätze, die sich heute in Getreidekost finden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0