Die weitläufige Verwandtschaft zwischen Allergien und Morbus Crohn

Bemüht man dieser Tage eine Suchmaschine mit aktuellen Nachrichten zum Thema Morbus Crohn, wird man auf Seiten hingewiesen, nach denen das Leben auf dem Land oder zumindest immer wiederkehrende Aufenthalte von Kindern auf dem Land des Risiko, später an Morbus Crohn zu erkranken, senkt.

 

Erinnern Sie sich bitte zurück…

 

Es ist noch gar nicht einmal so lange her, da deuteten Gesundheits-Nachrichten aus aller Welt darauf hin, dass mit dem Landleben das Allergierisiko sinkt. Dies erscheint mittlerweile als sicher nachgewiesen zu sein, nach dem Motto: frühzeitig mit etwas Schmutz konfrontiert, ist man später gegenüber Schmutz nicht so empfindlich.

 

Was hat es denn mit dem Schmutz im Darm auf sich?

 

Viel moderne medizinische Forschung postuliert, dass sich hinter Morbus Crohn die immunologische Überreaktion auf Bestandteile der eigenen Darmflora verbirgt. Und zwar ganz gleich, ob diese nun „gut“ oder „schlecht“ ist. Mit Allergien ist es ja im Prinzip ganz ähnlich, nur dass sich diese Überreaktionen nicht im Darm, sondern in den Atemwegen oder auf der Haut zeigen. Acidophilus-Bakterien sind absolut und für sich gesehen nicht schlecht - können aber gewisse Personen krank machen, deren Immunsystem eben schlecht auf diese Bakterien reagiert. Erdbeeren an sich sind sicherlich nichts schlechtes, können einen Menschen aber krankmachenden, dessen Immunsystem negativ auf Erdbeeren reagiert!

 

Morbus Crohn und Allergien sind daher zumindest miteinander verwandt…

 

Nachdem ich in einer ausführlichen Anamnese die Vorgeschichte immer erfrage, kann ich jetzt mit Sicherheit sagen, dass etwa zwei Drittel aller Morbus-Crohn-Patienten, die ich behandelt oder beraten habe, in der klinischen Vorgeschichte eine Allergie, Neurodermitis oder allergisches Asthma haben oder hatten.

 

Der Schlüssel zum Geschehen - das Leckdarm-Syndrom?

 

Das Leckdarm-Syndrom, auch undichter Darm oder auf Englisch „Leaky Gut Syndrom“ genannt, könnte einer der möglichen Schlüssel zum Geschehen sein. Denn ist die Darmschleimhaut in ihrer Struktur gelockert, können größere Bruchstücke von Nahrungsmitteln, die eigentlich für den Menschen gut sind, durch den Darm durch treten und werden vom Lymphsystem als gefährlich eingestuft und dementsprechend mit einer immunologischen Reaktion bekämpft. Beispielsweise Aminosäuren und Polypeptide („Cluster“ von mehreren Aminosäuren). Sind Nahrungsbestandteile vollständig zerlegt, zum Beispiel Eiweiß in Aminosäuren, sind Sie für den Körper optimal nutzbar.

 

Liegt nur eine Verdauungsschwäche vor (beispielsweise durch einen Enzymmangel), wird das Eiweiß nicht richtig und vollständig verdaut und nicht in einzelne Aminosäuren aufgespalten. Ist der Darm ansonsten in Ordnung, werden diese Eiweißbruchstücke nicht aufgenommen und gehen ungenutzt verloren. Das führt meist zu einem zu basischen pH-Wert im Dickdarm und damit zu Darmträgheit und Verstopfung. Ist hingegen zusätzlich noch ein Leckdarm-Syndrom im Gange, können diese nicht vollständig verdauten Eiweißbausteine durch die Darmschleimhaut hindurch treten und lösen allergische Reaktionen aus, was zu überschaubaren Entzündungen führt und Durchfälle provozieren kann. Unheilvoller Weise können sich gerade zu Beginn einer solchen Erkrankung diese beiden Einflüsse ausgleichen, so dass der Betroffene zu Beginn nichts merkt und glaubt, einen normalen Stuhlgang zu haben (der nur ein bisschen „komisch riecht“).

 

Durch Defizite und Verschiebungen im Mineralstoffwechsel (Calcium!) Und Stoffwechsel der Aminosäuren kann es zu vermehrter Histaminausschüttung kommen. All diese Komponenten zusammen gezählt sorgen dafür, dass die betroffenen Personen auf Reizstoffe aus der Umwelt wesentlich sensibler reagieren als ihre gesunden Zeitgenossen. Hinzu kommen oxidativer und nitrosativer Stress, zum Beispiel aus nicht ausgeheilten akuten Erkrankungen, technischer Strahlung, Nahrungsmittelzusätzen usw., und die Krankenkarriere kann beginnen.

 

So ist zu erklären, dass das Landleben nicht nur das Risiko für Allergien und Morbus Crohn verringert, sondern dass auch Allergiker ein erhöhtes Risiko haben, irgendwann einmal an Morbus Crohn zu erkranken.

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