Neues Medikament bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

"Entyvio" - Vedolizumab eingeführt

 

Es ist mal wieder so weit: ein neues Medikament zum Einsatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wird soeben zugelassen und natürlich mit einem Paukenschlag vorgestellt. Der „pharmazeutischen Zeitung“ entnimmt man sinngemäß die Worte: „wir wollen ja schließlich nicht nur Symptome bekämpfen, sondern auch erreichen, dass die Darmschleimhaut ab heilt, damit nicht irgendwann Teile des Darms entfernt werden müssen!“ Zur Erinnerung: das wollte „man“ bereits bei der Einführung der ersten Biologika, Adalimumab und Infliximab. Von denen übrigens gerade eine Studie berichtet, dass sie bei einer Anwendung über 3-4 Jahre hinweg das Krebsrisiko nicht erhöhen.

 

Was daraus geworden ist, wissen wir inzwischen alle.

 

Das neue Medikament, Vedolizumab (Markenname: „Entyvio“), soll über irgend einen Faktor das Einwandern von Lymphozyten, also immunkompetenten Zellen, in die Darmschleimhaut verhindern. Wenn es so wirken sollte, wie angedacht, sicherlich eine gute Therapie, die eine Verengung des Darmdurchmessers („Stenose“) im Falle einer Entzündung verhindern kann. Die wissenschaftlichen Details sind sicherlich nur für Ärzte, Apotheker und Pharmazeuten interessant, die direkt mit dem neuen Mittel zu tun haben.

 

Zweifelsfrei wirkt das neue Mittel sehr zielgerichtet. Man kann auch sicherlich nicht abstreiten, dass eine weitere Therapieoption zur Hand ist, falls andere Medikamente versagen. Indes erlebe ich in meiner Praxis mittlerweile, dass die Beziehungen untereinander und die individuellen Reaktionen einzelner Patienten auf entzündungshemmende und immunsuppressive Medikamente immer abenteuerlicher werden, und ihre Nachvollziehbarkeit mit immer mehr Rätselraten verbunden ist. Nicht nur unsere Welt, sondern auch unsere Gesundheit scheint immer komplexer zu werden.

 

Das neue Mittel wird sicherlich dem ein- oder anderen, der auf bisherige Therapien nicht angesprochen hat, das Leben etwas leichter machen. Den Optimismus der üblichen Pharma-Propaganda-Blättchen teile ich allerdings nicht. Ich schätze, dass das neue Medikament bei maximal einem Drittel der Patienten insgesamt und maximal 10% der ansonsten austherapierten Patienten einen positiven Effekt bringt.

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