Morbus Crohn: Linderung der Beschwerden durch eine Kiefergelenksbehandlung?

Ich weiß nicht, ob sie etwas mit dem Begriff „Craniomandibuläre Dysfunktion“ anfangen können. Simpel erklärt, geht es hier um Fehlstellungen mit Wechselwirkungen zwischen dem Schädel und den Kiefergelenken. Eine Physiotherapeutin behauptet, einen Zusammenhang zwischen diesen Beschwerden und dem Schweregrad eines Morbus Crohn festgestellt zu haben und ist der Ansicht, dass Morbus Crohn über die Behandlung der Craniomandibulären Dysfunktion (abgekürzt: CMD) behandeln zu können.

 

Die Begründung: von der Stellung des Kiefergelenks und der hinteren Schädelknochen hängt eine mögliche Beeinträchtigung des N. vagus (Zweig des Parasympathikus, zehnter Hirnnerv) ab. Dieser interessante Ansatz wird hier näher beschrieben.

 

Meine Meinung dazu:

 

Wie die Autorin des Artikels zu Recht beschreibt, wäre es zu viel verlangt, von einem solchen manuellen Eingriff in die Statik von Schädel und Kiefergelenk eine Heilung zu erwarten. Allerdings denke ich vom Konzept her durchaus positiv darüber. Ich habe in der Vergangenheit einige Male beobachtet, dass Krankheitsschübe nach Zahnbehandlungen auch dann auftreten, wenn kein Amalgam und infolgedessen auch keine Amalgamsanierung mit im Spiel sind.

 

Besonders wenn der Patient ängstlich ist und versucht dem Schmerz auszuweichen, aber auch durch hohen Druck im Zuge der zahnmedizinischen Behandlung kann sich eine Fehlstellung des Kiefergelenks ergeben. In der Vergangenheit habe ich allerdings auch Fehlstellungen des ersten und zweiten Halswirbels, nach einem bekannten Umweltmediziner (Dr. Bodo Kuklinski) der Auslöser für „nitrosativen Stress“, also einer Art von Stoffwechselstress, festgestellt.

 

Auch einer Beeinträchtigung bzw. Reizung des Parasympathikus über den Nervus vagus kann Crohn-Symptome verstärken, für häufigere und intensivere Schübe sorgen und ein höheres Maß an entzündungshemmenden Medikamenten notwendig machen. Das gleiche gilt allerdings auch für den erwähnten nitrosativen Stress, nur dass dieser über die Sympathikus-Schiene auf den Darm einwirkt. Die Wege, auf denen das geschieht, sind verschieden.

 

Die Reizung des N. vagus sorgt für eine Intensivierung immunologischer Prozesse bei latent vorhandener Entzündung, nitrosativer Stress sorgt für eine verminderte Durchblutung, Energie-und Sauerstoffversorgung der Schleimhäute überall im Körper, aber insbesondere des Darmtrakts! Es wäre also durchaus empfehlenswert, diesem Bereich ein wenig Zeit zu widmen. Außerhalb manueller Therapien kann Neuraltherapie hier sicherlich auch einiges leisten.

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