Morbus Crohn - Colitis ulcerosa: Schleimhäute unter Stress

Eine Diskussion, die auch weite Kreise der Naturheilkunde beschäftigt, ist die Frage, was Schleimhäute des Magen-Darm-Kanals durchlässig macht für Schadstoffe, so genannte Antigene. In der Fachsprache nennt man das „Epitheliale Barriere-Dysfunktion“, oder etwas simpler: Leckdarm-Syndrom. Nicht so ganz klar ist dabei die Ursache.

 

Es sind verschiedene Gendefekte identifiziert, welche die Darmschleimhaut anfällig machen für den oben genannten Defekt. Aber daraus abzuleiten, genetische Veränderungen würden diesen Defekt verursachen, ist meiner Meinung nach genauso vermessen wie genetische Defekte ursächlich für die chronisch-entzündliche Darmerkrankungen insgesamt verantwortlich zu machen.

 

Das funktioniert ganz einfach deswegen nicht, da chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ganz schlicht und ergreifend „neue“ Krankheiten sind, die sich erst seit etwa vier Jahrzehnten so epidemisch ausbreiten. Die gleiche Entwicklung, die wir in Mitteleuropa vor 20-25 Jahren erlebt haben, findet im Moment in Spanien und in Lateinamerika statt. Eine Statistik besagt, dass sich die Inzidenz für Colitis ulcerosa in Spanien zwischen dem Jahr 1996 und dem Jahr 2009 fast verzehnfacht hat! Das lässt sich nicht einfach nur auf Gene schieben!

 

Meinem erachten nach wird die „Epitheliale Barriere-Dysfunktion“ durch Genexpression, also die Modifikation der Genfunktion anhand von Umwelteinflüssen gesteuert und natürlich - und das ist kein Widerspruch! - Durch Stress. Das betrifft nicht nur den oft ins Feld geführten „oxidativen Stress“, also Stress, der quasi vor Ort stattfindet, sondern generalisierten Stress, etwa durch Psyche oder auch durch Fernwirkungen von entgleisten Stoffwechselvorgängen oder immunologischen Prozessen anderswo im Körper.

 

Auf gut Deutsch: die Funktion der Schleimhäute als Barriere zwischen Körper und Umwelt wird durch Stress beeinträchtigt. Das betrifft die Durchblutung und damit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung, und in Konsequenz somit den Energiehaushalt der Schleimhautzellen. Liegt hier eine Störung in der Darmschleimhaut vor, können sich die Folgen quasi überall im gesamten Körper zeigen. Zum Beispiel auch als Infektabwehrschwäche, Nebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung usw.

 

Damit kann man übrigens begründen, warum Antibiotikakuren das Problem eher verschärfen als zu beseitigen: durch die veränderte Darmflora wird die „Epitheliale Barriere-Dysfunktion“ nur verstärkt und als Fernwirkung das Immunsystem weiter geschwächt. So und nicht anders entstehen „Crohn- bzw. Colitis-Karrieren“!

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