Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: was die Schleimhäute schwächt. ALLE Schleimhäute!

Beschäftigt man sich, so wie ich, viel mit der Vorgeschichte von Patienten mit Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa, so findet man in wirklich fast jedem Fall den roten Faden, dass vorher andere Schleimhäute in irgendeiner Weise belastet bzw. geschwächt waren. Eine Vorgeschichte mit Infektionen bzw. einer Infektabwehrschwäche deutet auf ein Schleimhautproblem hin ebenso wie eine Vorgeschichte mit Allergien, Asthma und entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis (atopisches Ekzem). In diversen Fachfortbildungen haben wir gelernt, dass diesen Erkrankungen häufig ein sekretorischer IgA-Mangel zu Grunde liegt.

 

Der betrifft die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktors ebenso wie alle anderen Schleimhäute des Körpers und stellt eine Schwächung der unspezifischen Abwehr dar. Schwächung? Richtig, Schwächung! Im Anfang war immer die Schwächung!

 

Die chinesische Medizin kennt den Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Lunge und Dickdarm. In der westlichen Naturheilkunde sieht man die Haut als „stellvertretenden Kriegsschauplatz“ für die Schleimhäute an. Soll heißen: sind die Schleimhäute aufgrund eines Problems geschwächt und das lymphatische System wird mit mehr Schad- bzw. Giftstoffen belastet, muss die Haut es oft gleichsam ausbaden. Der Organismus neigt dazu, die Toxine über die Haut heraus zu treiben, was Probleme wie atopisches Ekzem, Neurodermitis und Psoriasis bedingt. In der Naturheilkunde werden solche Probleme gerne mit „Autolysaten“ von bestimmten Darmbakterien behandelt, wie beispielsweise Enterococcus faecalis oder bestimmte Arten von Kolibakterien. Dadurch wird das unspezifische Immunsystem stimuliert und die Schleimhautbarriere verstärkt. Mit einer verbesserten Schleimhautbarriere werden weniger Gift-und Schadstoffe in den Organismus aufgenommen, die Haut kann sich erholen. Das gilt natürlich ohne Einschränkungen auch für den Darm selber, wenn er in einem Status ist, indem man dem Patienten eine solche Behandlung zumuten kann (während eines Entzündungsschubs ist das erfahrungsgemäß nicht der Fall, wohl aber, wenn durch eine Behandlung eine gewisse Stabilität erreicht wurde!).

 

Es gibt allerdings noch einen wichtigen Faktor: den körpereigenen (Stoffwechsel)Stress. Denn diese Art von Stress regt die gleichen Prozesse an wie psychologischer Stress dies auch tut. Zum Beispiel die Ausschüttung bestimmter Hormone, von denen einige Blutgefäße verengen und somit die Blut-, Nährstoff-, und Sauerstoffzufuhr zu den Schleimhäuten „drosseln“. Auch dadurch kann es zu einer Schwächung der Schleimhäute kommen.

 

Ein vernünftiger, allgemeiner Ansatz, um hier Entlastung zu schaffen (ohne dabei näher auf die Individualität des einzelnen Patienten einzugehen) wäre hier das Dreigestirn: Antioxidantien, naturheilkundliche Stressregulation, Autolysate. In der Komplexmittelhomöopathie gibt es stressregulierende Präparate, allerdings sollte hier schon ein wenig mehr auf die Individualität geachtet werden.So muss zum Beispiel bei dem Einen überbordender Stress (Sympathikus-Dominanz) abgebaut werden, bei dem Anderen müssen allgemein Schwankungen des autonomen Nervensystems ("Dystonie", "vegetative Labilität") entschärft werden. Das sind subtile Unterschiede, die sich in der Praxis aus der Anamnese ergeben.

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