Amalgam und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Es ist erstaunlich, wie oft auf naturheilkundlichen oder umweltmedizinischen Seiten behauptet wird, dass chronisch-entzündliche Darmerkrankungen die Folgen einer Amalgamvergiftung seien. Wenn ein Arzt, Heilpraktiker, Apotheker oder Gesundheits-Journalist das Thema chronisch-entzündliche Darmerkrankungen auf einen Punkt (nämlich die Belastung mit Amalgam) reduziert, begeht er allerdings damit den gleichen Fehler, wie ihn die Medizin auch macht. Das eine-Ursache-Modell dürfte in der Zwischenzeit mit ein wenig gesundem Menschenverstand endgültig ad absurdum geführt worden sein.

 

Nein, Amalgam ist nicht die einzige Ursache für die Entstehung eines Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa. Sie ist eine große Ursache. Aber ganz sicherlich nicht die alleinige. Denn anders wäre es nicht zu erklären, dass etwa 20-25 % meiner Darmpatienten niemals auch nur eine Amalgamfüllung im Mund hatten, und auch deren Eltern nicht. Wäre Amalgam die alleinige Ursache, wäre das schon mal gar nicht möglich.

 

Was ist das Problem mit Amalgam? Nun, der meiste Abrieb dieser Quecksilberverbindung findet, wenn die Füllung erst einmal gesetzt ist, in den ersten fünf Jahren statt. Danach wird immer noch Amalgam freigesetzt, aber wirklich in sehr geringer Menge. Nun ist Quecksilber ein sehr starkes Gift und hat auch im Milligrammbereich, sogar im Mikrogrammbereich, noch Giftwirkungen. Antibiotikaähnliche Wirkungen auf die Darmflora mit Veränderung derselben und größerer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Darmpilz (Candida) sind wahrscheinlich, neben etlichen neurotoxischen, pro-oxidativen und zellschädigenden Effekten.

 

So sagte ein Professor neulich in einem Vortrag über Immunologie, dass Quecksilber dazu in der Lage ist, die Oberflächenstruktur von körpereigenen Zellen so zu verändern, dass der Körper Sie als fremd erkennt und dementsprechend bekämpft. Das wäre ganz im Sinne der auch von der Medizin immer wieder postulierten „Autoimmunreaktion“. Aber erstens ist die nicht immer gegeben, und zweitens gibt es sehr viele andere Gründe, warum das Immunsystem im Darm unkontrollierbar losschlägt.

 

Weitaus größer wird das Problem, wenn eine (nicht fachgerechte) „Amalgamsanierung“ vorgenommen wird. Ich musste leider einige Male erleben, wie Patienten mit moderaten Erscheinungen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung dringend zu einer solchen Sanierung geraten wurde, mit dem Ergebnis dass sich nach der „Sanierung“ ein chronisch-aktiver Verlauf eingestellt hat. Wieso das so ist? Dafür gibt es drei Gründe:

 

Erstens: unsachgemäßes Arbeiten. Werden Zähne ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen saniert, wird bis hin zum 100-fachen des Amalgams freigesetzt, wie unter jahrelangem Tragen dieser Füllungen. Ohne Kofferdam gelangt dieses in den Körper und richtet entsprechenden Schaden an. Außerdem sollten niemals mehr als zwei Plomben auf einmal saniert werden, nach der Sanierung sollte eine umfangreiche Entgiftung erfolgen.

 

Zweitens: Entgiftung unter Stressbelastung. Die üblichen Entgiftungsmethoden funktionieren nicht bzw. sind mit so genannten „Rückschlageffekten“ verbunden, wenn man zwei Punkte nicht beachtet: die Harmonisierung des autonomen Nervensystems und die Bereitstellung von ausreichend Antioxidantien zur Neutralisierung freier Radikale.

 

Drittens: der Säure-Base-Haushalt. Die Zellen sind nur dann „offen“ für eine Entgiftung, wenn der Säure-Base-Haushalt harmonisch ist. Achtung: das bedeutet übrigens nicht, dass Sie ihren Körper mit aller Gewalt „basischer“ machen müssen! Nur sollte man vor der eigentlichen Amalgamausleitung in aller Regel eine Bindegewebsentgiftung vornehmen!

 

Vor allen Dingen aber gilt eine Regel für die Entgiftung von Amalgam, egal auf welche Weise sie auch vorgenommen wird: niemals während eines akuten Schubs und ganz sicher nicht zu Beginn der Therapie!

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