Über unsere Darmflora müssen wir noch viel lernen!

Ein internationales Forscherteam hat vor kurzem die Darmflora einer heute noch lebenden Jäger-und Sammlergesellschaft analysiert und es zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Den ganzen Artikel können Sie übrigens hier abrufen:

 

http://www.diabsite.de/aktuelles/nachrichten/2014/140418b.html#seite

 

Wenn man sich die heutige, westliche Zivilisation so anschaut, kann man sich ab und zu schon einmal fragen, wie wir es überhaupt bis hierher geschafft haben. Schließlich stehen uns erst seit wenigen Jahrzehnten die vielfältigen Möglichkeiten der modernen Medizin, wie wir sie kennen gelernt haben, zur Verfügung. Und dennoch ist der zivilisierte Mensch der westlichen Welt schwach und krank.

 

Erst wenn man einen direkten Vergleich hat mit Gesellschaften, die heute noch quasi so leben wie in der Steinzeit, kann unter Umständen auffallen, dass vieles, was wir heute als ganz besonders gesund ansehen, keineswegs auch besonders gesund sein muss.

 

Ich weiß nicht ob Ihnen Treponema pallidum ein Begriff ist. Es ist eine Mikrobe, die in einem westlichen Zivilisationsdarm schon bei geringen Vorkommen eine ganze Menge Schaden anrichten würde. Bei den Hadza, einer traditionell lebenden Jäger- und Sammlergesellschaft aus Tansania wurde gerade diese Art von Bakterien in der Darmflora gefunden. Hingegen war die Anzahl der Bifidobakterien, die Sie sicherlich aus verschiedenen Probiotika-Mischungen kennen und die im Zusammenhang mit der Darmflora für besonders gesund gehalten werden, erstaunlicherweise erniedrigt.

 

„Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles!“ (Pasteur kurz vor seinem Tod)

 

Trotzdem wurden bei den Hadza keine oder kaum Anzeichen für die so typisch für die westliche Zivilisation gewordenen Autoimmunreaktionen gefunden. Interessant in diesem Zusammenhang war, dass Männer und Frauen durch gewisse Unterschiede in den Kostformen sowohl eine unterschiedliche Darmflora als auch eine besondere Anpassung an das soziale Rollengefüge im Stamm hatten. Beide Geschlechter essen das, was sie sammeln bzw. erjagen. Die Frauen leben zum großen Teil von Grünpflanzen, Wurzeln und Knollen, die offensichtlich besonders positiv auf Fruchtbarkeit sowie die Gesundheit der Nachkommen wirken, die Männer von wildem Honig und Wildfleisch, was sich auf Energieniveau und die Fähigkeit, in der Wildnis zu überleben auswirkt.

 

Wenn man Artikel wie diesen liest, wird einem klar, dass vom Milieu noch viel mehr abhängt als von der Mikrobe an sich. Mit unserer medizinisch-westlichen denke könnte man natürlich einwenden, dass die Lebenserwartung deutlich niedriger ist als die in der Zivilisation. Aber auch diese Argumentation entkräftet nicht die Erkenntnis, dass die Betroffenen von Zivilisationskrankheiten auch bei uns immer jünger werden. Jedenfalls können offensichtlich Mikroorganismen, die unter unseren zivilisatorischen Umständen schädlich für ihren Träger wären, unter Bedingungen wie in der Steinzeit sogar positive Effekte auf die Gesundheit haben.

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