Neue Studie auf Englisch: die epidemische Entwicklung von Colitis ulcerosa bis zum Jahr 2022

Mal ganz ehrlich: hätten Sie es für möglich gehalten, dass in China die Anzahl der Neuerkrankungen von Colitis ulcerosa zwischen Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts und Mitte des letzten Jahrzehnts, also etwa 2006, um das sage und schreibe 20- fache gestiegen sind? Tatsächlich erleben wir in den sich zunehmend industrialisierten Nationen in den letzten 10-20 Jahren die gleiche Entwicklung, wie sie in Ländern wie Deutschland, England oder den USA vor 30 oder 40 Jahren erlebt haben.

 

In Großbritannien war die Entwicklung allerdings noch erstaunlicher: zwischen Anfang der Neunzigerjahre und Anfang des neuen Jahrtausends stieg die Anzahl der Erkrankten im vereinigten Königreich von etwa 15 pro 100.000 Personen auf 243 von 100.000 Personen an, also in etwa um das 15-fache. Wohl gemerkt: wir reden hier von zehn Jahren!

 

Wenn das einmal kein schlagender Beweis ist, dass es sich bei Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa um typische Zivilisationskrankheiten handelt!

 

Dass die Projektion in die Zukunft nicht rückläufig ist, sollte angesichts der Zahlen nicht verwundern und wirft das Schlaglicht auf ein weiteres Problem, das chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Allergien und andere Autoimmunerkrankungen betrifft: es gibt keine von wissenschaftlich-medizinischer Seite aus empfohlene Vermeidungsstrategien für die Erkrankungen!

 

Während es durchaus Ernährungsleitlinien und Verhaltensmaßregeln für die Vorbeugung chronisch-degenerativer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt, fehlen diese für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen völlig. Es gibt Therapiekonzepte, aber es gibt keinerlei Vorbeugung! Ist Ihnen einmal bewusst aufgefallen, dass irgendein Experte, Referent oder Vortragender einmal das Thema „Prävention“ von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen angesprochen hätte? Also mir noch nicht.

 

Es werden Darmspiegelungen vorgenommen als Vorsorgeuntersuchungen für Darmkrebs, aber es werden keinerlei Darmspiegelungen vorgenommen, um eine Früherkennung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zu haben.

 

Sollten wir eines Tages tatsächlich Leitlinien zur Früherkennung, Vorsorge bzw. Prävention chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen haben, wird es nicht einfacher: die Empfehlungen werden sich nämlich widersprechen. Ganz einfach, weil es ja auch für die Therapie kein Konzept gibt, das allen helfen kann. Auch in der Naturheilkunde gibt es viele, verschiedene Ansätze. Als Beispiel für Prävention und Vorsorge sei einfach einmal Diabetes genannt: während man sich in der wissenschaftlichen Ernährungsmedizin einig ist, dass dichte Kohlenhydrate (und mangelnde Bewegung) das Problem sind, gibt es in der Naturheilkunde Ansätze, die glaubhaft klarmachen, dass gerade mit zunehmendem Alter ein Übermaß an tierischem Eiweiß Diabetes begünstigen kann.

 

Nach gegenwärtigem Stand werden vernünftige Leitlinien zur Prävention von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, aber auch Erkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis, Multiple Sklerose etc. weiter auf sich warten lassen.

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