Morbus Crohn: endlich ursachenorientierte Therapie?

Es ist mal wieder soweit: nach einigen Jahren werden einmal mehr neue Medikamente gegen die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn angekündigt. Es handelt sich um die beiden „Biologika“ Ustekimumab und Vedolizumab. Das erste der beiden Medikamente ist ein schon seit einiger Zeit in der Rheumatherapie und der Psoriasis-Therapie eingesetztes Medikament. Also nichts Neues. Wenden wir uns daher dem zweiten Mittel zu:

 

Wenn man der Seite „Gesundheitsstadt-Berlin.de“ in der Pressemitteilung glauben mag, handelt es sich bei Vedolizumab erstmalig „um ein Mittel, das direkt an den Ursachen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ansetzt“. Jetzt können „Patienten mit Morbus Crohn neue Hoffnung schöpfen“.

 

Was macht das Mittel? Ein Antikörper hindert Zellen des Immunsystems, die Lymphozyten daran, in die Darmschleimhaut ein zuwandten und eine immunologische Reaktion auszulösen. So weit, so gut. Aber jetzt meine Frage: was soll das ganze mit den Ursachen von Morbus Crohn zu tun haben? Die Ursachenfrage ist nämlich erst dann geklärt, wenn das Wörtchen „WARUM“ nicht mehr offen bleibt. Das ist aber bei der Frage nach der Einwanderung der Lymphozyten in die Darmschleimhaut keine gelöste Frage. Denn Lymphozyten, oder generell Immunzellen, sind nur ausführende Organe für ein tieferliegendes Problem. Denn schließlich muss es irgendeinen Grund dafür geben, warum Lymphozyten durch die Darmwand in die Darmschleimhaut einwandern. Immunologische Prozesse kommen nur dort in Gang, wo es etwas zu bekämpfen gibt.

 

Auch vor etwa sieben Jahren, bei der Einführung der ersten Biologika (Adalimumab und Infliximab, beziehungsweise Remicade und Humira) zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, wurde vollmundig behauptet, dass die neuen Mittel eine ursächliche Therapie für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa darstellen würden. Heute ist das Ganze, sagen wir, etwas relativiert: die Erfolgsquoten bei der Entzündungsbekämpfung liegen bei etwa 30 %, die Rate der Nebenwirkungen ist hoch, und gerade vor einigen Monaten gab es ja bereits eine Meldung, dass der Körper offensichtlich in der Lage ist, auch gegen diese Antikörpermedikamente seinerseits wiederum Antikörper herzustellen, siehe auch:

 

http://www.crohn-colitis-online.de/2013/12/05/antik%C3%B6rper-gegen-antik%C3%B6rper/

 

Aus meiner Sicht sind diese neuen Therapien genauso wenig „ursächlich“ gegen Morbus Crohn gerichtet wie alles, was bisher zuvor kam. Die Zeit wird zeigen, ob es mit dem neuen Medikament tatsächlich besser läuft. Ich weiß es klingt hart: meiner bisherigen Erfahrung nach würde ich sagen eher nicht.

 

Übrigens, hier mal anbei ein paar Daten aus Wikipedia: Patienten mit Morbus Crohn sprachen zu 31% nach einer Periode von 6 Wochen (Placebogruppe zum Vergleich: 26%) auf die Therapie an. Nebenwirkungen zeigten sich bei der Behandlung von Morbus Crohn häufiger als bei einer Behandung von Colitis ulcerosa.


Das entspräche einer rein pharmakologisch abgesicherten Wirkungsrate von 5%.

 

So viel zu den Themen: "neue Hoffnung" und "ursächliche Therapie"!

 

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