Colitis ulcerosa: Gute Bakterien, böse Bakterien

"Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles!" (angeblich von Louis Pasteur kurz vor seinem Tod)

 

Es gibt etwa zehnmal so viele Bakterien im menschlichen Körper wie Zellen. Diese Bakterien haben verschiedene Funktion, verschiedene Aufgaben, und bringen den Körper dazu, bestimmte Dinge zu tun oder auch, in manchen Fällen, zu lassen. So wurde in der jüngsten Forschung im Tierversuch bei einem Bakterium nachgewiesen, dass es bestimmte Fette produziert, die ihrerseits wiederum mit bestimmten Zellen des Immunsystems interagieren. Sie kontrollieren nämlich die Aktivierung dieser Zellen, und damit indirekt auch, wie stark sie sich vermehren.

 

Diese Immunzellen gehören zu den Killerzellen. Kommen diese in einer moderaten Anzahl vor, schützen sie den Körper. Liegt die Anzahl deutlich über dem Normalmaß, können Sie an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Asthma, Psoriasis oder anderen Erkrankungen beteiligt sein.

 

Zudem hat sich in Versuch mit Mäusen herausgestellt, dass dieses Verhältnis zwischen den Fetten dieses Bakteriums (Bacteroides fragilis) und den Killerzellen binnen weniger Tage in einer sehr frühen Phase der Entwicklung austariert wird. Stimmt das Verhältnis, ist die Anzahl der immunkompetenten Zellen nicht allzu groß, und die spätere Erkrankung mit einer chronisch-entzündlichen Autoimmunkrankheit ist sehr unwahrscheinlich.

 

Die Anlage für ein Autoimmungeschehen im menschlichen Körper kann durchaus binnen weniger Tage entstehen, auch wenn man umweltmedizinische Aspekte in die Betrachtung mit einbezieht: denn die chronische Entzündung oder Autoimmunerkrankung ist eine Möglichkeit des menschlichen Körpers, auf Schadstoffe, Umweltgifte, aber auch überbordende psychische Probleme (meist eine Kombination aus diesen drei Faktoren) zu reagieren. Chronisch-degenerative Erkrankungen, Infektanfälligkeit, Anlage zu Krebsgeschehen sind weitere Möglichkeiten. Die wichtigste Erkenntnis ist: der Körper reagiert auf diese Belastungen.

 

Würde im Gegenzug dazu das Fehlen der oben erwähnten Bakterienart eine übertriebene Zellteilung der Killerzellen auslösen, muss es deswegen nicht automatisch zu einer Autoimmunerkrankung kommen, wenn sonst optimale Bedingungen vorliegen.

 

Bakterien sind daher im Grunde genommen nur ausführende Organe, die die Richtung bestimmen. „Schlechte“ Bakterien sind in sehr geringer Menge harmlos und können sich nicht vermehren, solange sie nicht die für sich idealen Bedingungen haben. „Gute“ Bakterien können in einer Anzahl, die weit über das normale Maß hinausgeht, dem Körper schaden. Hier ist umgekehrt der Körper die Kontrollinstanz. In jedem Fall aber kommen in der Interaktion zwischen Bakterien und menschlichen Körperzellen auch das Milieu bzw. die Umweltbedingungen zum Ausdruck, die in jeder Person vorherrschen.

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