Ganzheitliche Sichtweise der primär-sklerosierenden Cholangitis

Primär-sklerosierende Cholangitis: nicht leicht in den Griff zu bekommen...

 

Während es unglaublich viele Konzepte zur Darmsanierung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gibt, geht der Naturheilkunde bei der Folgeerkrankung primär- sklerosierende Cholangitis ein wenig die Luft aus. Sicher steht fest: ist die Verhärtung des Gallenwegs erst einmal eingetreten, kann man nicht mehr viel machen. In der Medizin wird versucht, ein Fortschreiten der Erkrankung mit dem Medikament Ursodesoxycholsäure zu verhindern. Das Medikament verbessert die Resorption von Gallensäure im Darm und vermindert den Cholesterinanteil in der Gallensäure. Ob dies allerdings tatsächlich eine ursachenorientierte Therapie für die Entzündung der Gallenwege darstellt, darf bezweifelt werden.

 

Für mich setzt sich die Primär-sklerosierende Cholangitis aus zwei Komponenten zusammen: erstens der allgemeinen Tendenz zur Autoimmunität (oft: als Folgeerkrankung einer Colitis ulcerosa, gelegentlich: als Folgeerkrankung eines - meist den Dickdarm befallenden - Morbus Crohn). Zweitens: aus den Wirkungen einer veränderten Darmflora auf den Stoffwechsel der Leber, die Zusammensetzung der Gallensäure und die Fettverdauung sowie die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren im letzten Abschnitt des Dickdarms („Butyrate“). 

 

Dass die selbstzerstörerischen Tendenzen des Körpers, die Autoimmunreaktionen, auch außerhalb des Darms stattfinden, ist ein Zeichen dafür, dass die Erkrankung nicht nur auf einer falsch zusammengesetzten Darmflora beruht. Nach gegenwärtigem Stand habe ich den Eindruck, dass körpereigene Eiweißstrukturen durch umweltmedizinische Faktoren so verändert sind, dass der Körper sie als fremd erkennt und dementsprechend angreift. Dieses Phänomen kann überall im Körper stattfinden und konzentriert sich auf die individuellen Schwachstellen.

 

Bei der PSC (das ist die Abkürzung) finden sich entzündliche Infiltrate mit Beteiligung verschiedener weißer Blutkörperchen in den Gallenwegen, die zu einem fibrinös-sklerotisierenden Umbau führen. Obwohl die Gallengänge sich dabei weiten, kommt es dennoch zu einem Rückstau von Gallenflüssigkeit. In der Folge kommt es zunächst zu einer Erhöhung der Leberwerte, dann zu einer Beeinträchtigung der Leberfunktion, im Extremfall kann sich ein Zustand namens „biliäre Leberzirrhose“ einstellen.

 

Hat der Umbau der Gallenwege erst einmal stattgefunden, führt an einer Operation leider nichts vorbei. Auch wenn man die Autoimmunreaktion regelrecht behandelt, geht dennoch eine geraume Zeit ins Land, bis die veränderten Zellstrukturen durch reguläre Zellstrukturen ersetzt worden sind und nicht mehr vom Immunsystem attackiert werden, und sich keine Immunkomplexe mehr ausbilden.

 

Eine Therapie der PSC muss also an mehreren Punkten gleichzeitig ansetzen, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern:

 

  • Die Darmflora muss so gestärkt und stabilisiert werden, dass der Fettsäurehaushalt innerhalb des Darms optimal abläuft.
  • Darmflora und Enzyme müssen für eine optimale Fettverdauung im Rahmen der Möglichkeiten einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung sorgen
  • die Autoimmun-Ursache muss herausgefunden und gezielt behandelt werden, damit sich mittel- bis langfristig keine Immunkomplexe mehr bilden
  • gleichzeitig ist allerdings dafür zu sorgen, dass die Entzündungsaktivität allgemein im Körper so niedrig ist wie möglich
  • Stimmen all diese Dinge und sind Sympathikus und Parasympathikus einigermaßen ausgeglichen, können leberstärkende und -schützende Präparate wie Bitterstoffe, Mariendistel, Artischockenextrakt und weitere sekundäre Pflanzenstoffe eingesetzt werden (bei Parasympathikus-Überschuss, wie er bei den meisten entzündlichen chronischen Erkrankungen vorherrscht, können diese Stoffe die Entzündungstendenz unter Umständen noch verstärken!)

 

In der Praxis ist das extrem schwierig und kann nur durch die ständige Mitarbeit des Patienten erreicht werden. Der wichtigste Punkt dieser Mitarbeit bezieht sich auf die Aufnahme von fetten mit der täglichen Ernährung: sehr gleichmäßig über den Tag verteilt, bei den mehrfach ungesättigten Fettsäuren sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Omega-3-zu Omega-6-Fettsäuren angestrebt werden (eins zu eins). Bei den gesättigten Fettsäuren sollte man sich überwiegend bis ausschließlich auf mittelkettige Fettsäuren (in Kokosöl und –Fett) beschränken. Außerdem sollten ungesättigte Fettsäuren nicht erhitzt werden!

 

Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind zu empfehlen. Der Eiweiß-und Fettverzehr sollte insgesamt gegenüber Mittel-und langkettigen Kohlehydraten zurückgefahren werden. Die Ernährung ist relativ eiweißarm, der „optische“ Eiweißgehalt bei einer Mahlzeit sollte 20 % nicht überschreiten!

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