Helfen Probiotika eigentlich bei Morbus Crohn?

Es gibt da einen (makabren) Gastroenterologen-Witz...


Eine junge Frau wird gespiegelt und erhält im Anschluss die Diagnose: "Colitis ulcerosa". Der Arzt äußert sich so: "Na, Gott sei Dank ist es kein Morbus Crohn!"

 

Abgesehen von solchen schlechten Scherzen: Morbus Crohn ist dann, insbesondere wenn Abschnitte außerhalb des Dickdarms betroffen sind, vor allem aus einem Grund komplexer als Colitis ulcerosa: die Entzündung geht in die Tiefe, d.h. sie macht auch vor der Darmwand und der Muskelschicht nicht Halt, im Gegensatz zur Colitis ulcerosa, die "nur" die Darmschleimhaut betrifft (was schlimm genug ist).

 

Ich habe über das Thema "Probiotika und Morbus Crohn" bereits die ein- oder andere Studie eingesehen, und die meisten Wissenschaftsjournale sind sich einig, dass medizinische Probiotika bei Colitis ulcerosa die schubfreie Phase verlängern können, aber nicht bei Crohn (Ausnahme ist eine "Pouchitis" nach einer totalen Entfernung des Dickdarms, wenn man nach einer italienischen Studie mit dem Probiotikum VSL#3 geht).

 

Aber stimmt das eigentlich? Geht bei Morbus Crohn mit Probiotika denn wirklich nichts?


Tendenziell leider ja! Selbst bei einem reinen Dickdarm-Crohn (Mengenmäßig über 99,95% aller Darmbakterien sitzen im Dickdarm) erreicht man selbst mit guten Probiotika maximal 10% von dem, was man bei einer Colitis ulcerosa erreichen kann - selbst wenn die Krankheit in beiden Fällen gerade ruht. Mir selbst (Dickdarm-Crohn) hat Mutaflor "Damals" immer recht gut getan, aber die meisten meiner Patienten haben schon Versuche damit durch und die Erfolge waren/sind bescheiden bis maximal mäßig.

 

Eine Entzündung, die wie beim Crohn in die Tiefe des Darms geht, braucht auch eine anderen Vorgehensweise: man muss das Milieu von vornherein so einstellen, dass sich die Darmflora selbst reguliert. Dann muss man insgesamt - und zwar im gesamten Stoffwechselgeschehen - "antientzündliche" Bedingungen schaffen. Über die Entzündungskaskaden (Leukotriene, Cyclooxigenase), über das Schalten und Walten des autonomen Nervensystems (Langzeitstress dämpft immunologische Reaktionen, ich nenne das die "zweite Kortison-Wirkung", Langzeit-Erschöpfung lässt das Immunsystem überschießen) und über diverse andere Stoffwechselfaktoren, die aber individueller Natur sind.

 

In diesem Sinne: falls Sie, lieber Leser, diese Zeilen lesen und noch nicht allzu lange mit Morbus Crohn diagnostiziert sein sollten, und Sie naturheilkundlich die Entzündung bekämpfen wollen: eher mit Myrrhe, Weihrauch, Huminsäuren, Omega-3-Fettsäuren etc., aber am Anfang eher nicht mit Darmflora-Präparaten!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Mondfee (Samstag, 10 September 2016 01:42)

    Diese Frage betrifft den letzten Satz: Warum nicht?
    Ich habe eine Autoimmunerkrankung der Leber, sie zieht die Augen, die kleinen Venengefäße, die Gelenke, die Schleimhaut im Mund und Intimbereich und den Darm in Mitleidenschaft. Ich habe die Nase so voll von dem ewigen Durchfall - Milchsäurebakterien und Mutaflor stoppen ihn.
    Warum sollte ich das nicht nehmen?