Fördern Hitzewellen Schübe von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen starken Hitzewellen und Schüben von Morbus Crohn beziehungsweise Colitis ulcerosa?


Dieser Tage wurde eine Schweizer Studie in Deutschlandradio veröffentlicht, der zu Folge Hitzewellen mit sehr hohen Temperaturen das Risiko eines akuten Schubs einer Darmentzündung erhöhen. Um bis zu 35% steigt die Anzahl der Erkrankungsfälle mit Magen-Darm-Leiden, die während einer Hitzewelle stationär behandelt werden müssen. Das ist ein überraschend deutliches Ergebnis und wirft die Frage nach dem Warum auf. Zwei von den Leitern der Studie angegebene plausible Gründe:

 

  1. Der Hitzestress stimuliert zeitverzögert die Entzündung
  2. Durch die extrem hohen Temperaturen werden bestimmte Darmbakterien in Wachstum und Stoffwechsel stimuliert, was zur Abgabe größerer Mengen krankmachender Stoffwechselprodukte im Darm führt und Entzündungsprozesse stimuliert.

Ich möchte diese Liste um noch vier weitere Punkte ergänzen:

 

  1. Die Vermehrung von Keimen in Nahrungsmitteln, Getränken etc.
  2. Der Genuss kalter Getränke mit den entsprechenden Erscheinungen - Stressreaktionen, Veränderung des Enzymhaushalts und so weiter
  3. Veränderte Ernährung mit mechanischem Stress (Zucker, Rohkost z.B.) und natürlich auch
  4. Veränderte Ernährung mit metabolischem Stress - z.B. Parasympathikus-Aktivierung und Immunreaktion


Allerdings muss man hier dazu sagen: wir reden hier von Extremsituationen wie der Hitzewelle 2003, mit Wochen an Temperaturen im Bereich von 35°C im Schatten. Insgesamt gesehen ist das Gegenteil der Fall: je näher man an den Äquator kommt, umso geringer wird die Inzidenz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Klassisches Beispiel gefällig? Schauen Sie sich dieses Jahr an!

 

Von Jahresbeginn an bis etwa Ende Juni 2013 hatte der mitteleuropäische Raum beinahe eindrucksvoll schlechtes Wetter, das alles bisher dagewesene getoppt hat: quasi sonnenloser Winter, bittere Kälte bis Mitte April, danach quasi Dauerregen und Temperaturen um 10 bis 15 Grad bis Ende Juni, nur unterbrochen von einer kurzen Hitzewelle Mitte Juni, die aufgrund ihrer extremen Schwüle wohl für die meisten ziemlich unangenehm war.

 

Ab Juli dann die Kehrtwende: wochenlange Sonne bei meist angenehmen Sommertemperaturen, wenn auch unterbrochen durch eine zweiwöchige Hitzewelle von Ende Juli bis Anfang August. Temperaturen um 25°C bei Sonne werden von den meisten meiner Patienten als überaus angenehm empfunden. Der Grund ist in Vitamin D, Endorphinen und speziell Serotonin zu suchen.

 

Zusammengefasst: während Extrem-Hitze Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung sicher nicht gut tut, werden sich die meisten bei moderaten Sommertemperaturen und intensiver Sonne deutlich wohler fühlen - es sei denn natürlich, es spielen Allergien gegen Pollen etc. ins Krankheitsgeschehen mit hinein.

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