Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Nahrungsmittelintoleranzen

Wenn es um chronisch-entzündliche Darmerkrankung und Nahrungsmittelintoleranzen geht, stellen sich zwei Fragen:

  1. was war zuerst da?
  2. Kann eine Nahrungsmittelintoleranz eine chronisch-entzündliche Darmerkrankungen verursachen?

Zur ersten Frage: die Antwort ist ein sowohl als auch. Eine Nahrungsmittelintoleranz (oder auch -Allergie) kann durchaus im Vorfeld einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung bestehen, ist allerdings ein Zeichen, das mit dem Darm von vornherein schon etwas nicht in Ordnung ist. Dazu muss man auch beachten, dass es zwischen ersten organischen Anzeichen einer chronischen Darmentzündung und der eigentlichen Diagnose durch einen Gastroenterologen eine gewisse Unschärfe gibt. Die ersten Entzündungszeichen können unter Umständen schon Jahre vor der Erstdiagnose vorhanden sein, und das ist eigentlich sogar die Regel.

 

Natürlich kann man erst recht sagen, dass eine Nahrungsmittelintoleranz sekundär aufgrund chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen entstehen kann. Gerade wenn die Verdauung im Dünndarm aufgrund der Entzündung eingeschränkt ist, dringen unverdaute Nahrungsmittelbestandteile in tiefere Darmschichten vor, als dies eigentlich physiologischerweise der Fall sein sollte. Die Folge: Symptome wie Blähungen, Durchfälle und Unbehaglichkeit längsseits des Verdauungstrakts.

 

Jetzt zur zweiten Frage: nein, eine Nahrungsmittelintoleranz kann eine chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nicht verursachen. Sie kann ein Teil des Geschehens darstellen, das letzten Endes zur chronischen Darmentzündung führt, aber niemals die alleinige Ursache. Insofern ist ein Test auf Nahrungsmittelintoleranzen, wie er in der Naturheilkunde oft durchgeführt wird (z.B. der IgG-4 Test auf zeitverzögerte Nahrungsmittelintoleranzen) zwar eine sehr gute, aber dennoch keine ursächliche Therapie einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Sie kann dabei helfen Symptome zu vermindern. Meiner Erfahrung nach ist das bei knapp zwei Drittel aller Personen, die einen solchen Test durchführen lassen und sich nach den Diätempfehlungen richten, der Fall. Das Problem: sobald die Ernährungsgewohnheiten wieder normalisiert werden, setzen mit einer gewissen Zeitverzögerung die Symptome fast immer wieder voll ein.

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