Verwechslungsgefahr von Reizdarm und Morbus Crohn?

Sollten Sie an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leiden, sind Sie eventuell mit dem CDAI nach Best vertraut. CDAI steht dabei für Crohn’s Disease Activity Index und bedeutet so viel wie: der Index der Krankheitsaktivität. Damit lässt sich grob abschätzen, wie "alltagstauglich" Sie mit ihrer Krankheit noch sind und ob sie eigentlich schon in die Klinik gehören.

 

Falls Sie allerdings nicht an einer chronisch-entzündlichen Erkrankung, sondern schlicht und ergreifend nur an einem Reizdarmsyndrom leiden, wundern Sie sich bitte nicht: Reizdarmpatienten mit Beschwerden erreichten auf der Skala ähnlich hohe Werte wie Morbus-Crohn-Patienten im akuten Schub. Wenn Sie dann auch noch besonders sensibel sein sollten, ist die Panik perfekt. Also Vorsicht mit solchen Tabellen. Tabellen zur Einschätzung der Krankheitsaktivität können die Situation nur sehr grob erfassen. Merken Sie sich die folgenden Unterschiede zwischen Reizdarmsyndrom und Morbus Crohn:

 

  1. bei Morbus Crohn findet sich wohl immer mal Blut im Stuhl. Bei Reizdarm grundsätzlich nie, es sei denn es liegen auch Hämorrhoiden vor
  2. bei Morbus Crohn haben Sie wohl schon mal in der Nacht Krämpfe und Stuhlzwang. Beim Reizdarmsyndrom stoppen die Aktivitäten grundsätzlich in der Nacht. Wenn Sie in der Nacht Stuhlgang haben, dann geht das unkompliziert und ohne Krämpfe vor sich
  3. Reizdarmsyndrom geht niemals mit Fieber einher.
  4. Bei Reizdarmsyndrom wird sich keine starke Erschöpfung einstellen infolge der Krankheit oder infolge von Nährstoffmangel
  5. die Beschwerden bei Reizdarmsyndrom stehen immer in irgend einem unmittelbaren Zusammenhang mit Stress. Auf keinen Fall ist der zeitliche Versatz zwischen einer Stresssituation und Beschwerden so groß, dass sie die Übersicht verlieren
  6. und zu guter Letzt: ein Reizdarmsyndrom wird niemals Beschwerden außerhalb des Darms machen!

Und zu guter Letzt noch ein Rat für die Reizdarmpatienten: achten Sie darauf, ob der Reizdarm sich "selbständig macht" und nicht mehr auf psychisch beruhigende Maßnahmen reagiert!

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Kommentare: 3
  • #1

    RDS (Dienstag, 16 April 2013)

    wie ich hier rauslese, ist es dann doch "besser", wenn man vom Reizdarmsyndrom betroffen ist, und nicht Morbus Chron hat?
    Natürlich ist keines von beiden toll, aber die Beschwerden scheinen beim Reizdarm doch nicht ganz so schlimm zu sein

  • #2

    Andreas Ulmicher (Dienstag, 16 April 2013 13:59)

    Reizdarm kann für sich betrachtet wirklich üble Formen annehmen, Morbus Crohn würde ich allerdings meinem schlimmsten Feind nicht wünschen.

    Ich würde Ihnen aber in einer Sache Recht geben: eine schwere Form von Reizdarm kann subjektiv schlimmer empfunden werden als eine leichte Form von Morbus Crohn!

  • #3

    Elena (Dienstag, 04 März 2014 23:00)

    Ich finde, dass man keinesfalls sagen kann, was nun wirklich schlimmer ist, da menschliche Empfindungen sehr individuell sind.
    Ich als Reizdarm-Leidende muss jedoch sagen, dass die hier aufgeführten Unterschiede keinesfalls für jedermann generalisiert werden können. Ich widerspreche definitiv den Dingen, die unter den Punkten 2,4,5 und 6 aufgeführt sind. Ich kenne so viele Reizdarm-Leidende, mich eingeschlossen, bei denen gerade diese Punkte einem das Leben zur Hölle machen.
    Ich fühle mich vergessen und abgestempelt, wenn ich diese Seite hier lese, wirklich!