Diesseits von Crohn und Colitis: der "ideale Stuhlgang"

Wenn man täglich mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu tun hat...

 

...wäre es vielleicht hilfreich, "Stuhlkunde" studiert zu haben. Damit ist jetzt nicht das Sitzmöbel gemeint, sondern vielmehr das, was auf einem Sitz idealerweise ein- bis zweimal täglich unter einem abgehen sollte, womit wir schon gleich beim Thema wären...

 

Für die meisten Patienten einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist Perfektion auf dem WC in etwa so utopisch wie ein angenehm temperierter, luftiger, trockener und vier Monate andauernder Sommer in Deutschland, und schon des Öfteren habe ich Sätze in meiner Praxis vernommen wie: ich habe schon gar nicht mehr gewusst, wie sich ein geformter Stuhl anfühlt!

 

Was aber wenig bekannt sein dürfte: auch der Stuhlgang von so genannten "gesunden" Zeitgenossen ist bei weitem nicht so gesund, wie es den Anschein hat. Beispiele gefällig?

 

Das geriffelte Muster auf der Wurst sowie die Notwendigkeit, zu pressen, zeugt bereits von ziemlich hartnäckiger Verstopfung. Auch wenn es brav einmal täglich aufs Örtchen geht. Wenn die Darmfunktion einwandfrei ist, müssen Sie nicht pressen (nur sanft "andrücken"), und eine geschmeidige, glatte, recht weiche Wurst kommt aus dem Enddarm geschlüpft. Diese schwimmt idealerweise einen Moment auf der Wasseroberfläche, bevor er dann anmutig zu Boden sinkt.

 

Ekliges oder gar "Scheiß"-Thema, überflüssig meinen Sie?

 

Weit gefehlt!

 

So kann die harte, zusammengepresste Wurst, die einem einige Kraftanstrengung abverlangt, ein Alarmzeichen beispielsweise für Ballaststoffmangel, für zystische Fibrose, für Enzymmangel, für Divertikulose, für eine Verstopfung bei Reizdarm und für ein deutlich erhöhtes Risiko, an Enddarmkrebs zu erkranken, stehen. Oder für eine Darmatonie, für einen Kalium-Mangel oder einen Überschuss an Kalzium und Eisen (Nahrungsergänzungsmittel?) - übrigens, Eisensupplemente färben den Stuhl dunkel!

 

Ist es grau oder bleich, steht das für massive Leberprobleme, eventuell sogar für eine Zirrhose!

 

Gelblich eingefärbte Stühle (für den Fall, dass Sie nichts mit Kurkuma verzehrt haben) stehen für ein Gallensaftproblem.

 

Wenn Sie unabhängig von der Form lange Sitzungen abhalten müssen, spricht das für eine Darmatonie oder einen früheren Missbrauch von Abführmitteln. Oder wiederum Kaliummangel. (s.o.)

 

Und nein, Stuhlgang riecht nicht angenehm. Aber im Idealfall unauffällig und weder säuerlich-vergoren, noch faulig-stinkend, noch stechend.

 

Und all diese Probleme können auch auftreten, ohne dass jetzt jemand gerade an Morbus Crohn oder an Colitis leidet - und recht viel über die Gesundheit des Betroffenen aussagen. Vor allen Dingen die zukünftige.

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