Gibt es eigentlich eine "Idealdiät" bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Ich möchte den Faden von meinem letzten Blogeintrag vom 10.12. noch mal aufnehmen und noch ein bisschen über Ernährung reden. Ich habe lange selbst angenommen, dass die beste Diät bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen allergenarm (z.B. gluten- und milcheiweißfrei) und basisch, damit insgesamt eiweißarm und überwiegend vegetarisch orientiert ist. Ich habe das angenommen, weil es damals bei mir wunderbar funktioniert hat.

 

Später dann, als ich immer wieder Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bekommen hatte, habe ich öfter zu hören bekommen, dass die Diät für den Darm ja gut funktioniere – aber die Patienten nicht zu Kräften kämen und nicht an Gewicht zulegten. Da ich grundsätzlich Optimist bin und glaube, dass meine Patienten sich meist an das halten, was ich ihnen rate, musste der Fehler also bei der Diät liegen. So bin ich mehr oder weniger in die Ernährungslehre „Metabolic typing“ hineingerutscht und habe gelernt, dass eiweißarm für einige Leute gut ist, aber für andere gar nicht gut.

 

Dann habe ich über die anderen Ernährungskonzepte gelernt (zum Beispiel Lutz-Diät, spezielle Kohlehydratdiät etc.) und vor allem darüber, auf welchen Theorien sie fußten. Und irgendwann ist dann bei mir der Groschen gefallen: die Ernährung muss etwas mit der „Ausgangssituation“, aus der der Patient sich in die chronisch-entzündliche Darmerkrankung hineinentwickelt hat, zu tun haben: Immunschwäche und Bakterienüberwucherung oder Autoimmunität und allergische Reaktionen, umweltmedizinische Gründe oder Stress, und so weiter.

 

Ein Beispiel: die meisten Crohn- und Colitis-Patienten, die mit ihren Symptomen sehr stark auf Stress reagieren, fühlen sich besser bei einer relativ eiweißarmen Diät, da Eiweiß den Sympathikus-Nerv (den Stressnerv) stärkt und die Tendenz zum „gestresst fühlen“ ebenfalls. Das wirkt sich außerdem negativ auf die Enzymkraft aus. Und die Enzyme brauchen wir, um Eiweiß und Fett gut zu verdauen.

 

Da ich selbst sehr stark mit dem Darm auf Stress reagiert habe (jetzt nicht mehr), hat bei mir die eiweißarme Ernährung sehr gut funktioniert.

 

Was ich heute sicher sagen kann: es gibt keine Diät, die bei allen Menschen mit einer chronischen Darmentzündung gut funktioniert – es gibt aber Diäten, die bei einigen gut funktionieren, und Diäten, die bei anderen gut funktionieren.

 

Auf jeden Fall beachten sollte man die Basis-Grundsätze einer guten Diät, wie sie auch in meinem Ernährungsratgeber besprochen sind: das Weglassen schädlicher Nahrungsmittel und –Zusatzstoffe.

 

Ernährungsratgeber bestellen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0