Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: die "spezielle Kohlehydratdiät"

Die so genannte "spezielle Kohlehydratdiät" geistert jetzt seit den 50er Jahren "offiziell" durch die Fachwelt der Ernährungstherapie bei Verdauungsstörungen (inoffiziell gibt es sie schon etwas länger) und immer noch liest man an dieser oder jener Stelle "Heilungsberichte" von Betroffenen, die sich besonders in Foren herumtun.

 

Wer nicht weiß, was die spezielle Kohlehydratdiät ist: in dieser Diät werden Mehrfachzucker und Stärke (wissenschaftlich: Di- und Polysaccharide) komplett ausgeschaltet. Die Vermutung dahinter: bei Darmstörungen wie Zöliakie, Crohn oder Colitis könnten bestimmte Dünndarmenzyme, die so genannten "Saccharidasen", Mehrfachzucker und Stärke nicht in Einfachzucker umwandeln. Diese würden nicht verdaut, unverdaut in tiefere Darmschichten und den Dickdarm gelangen und dort unnatürliche Gärungsprozesse auslösen, einen übersäuerten Dickdarm, langfristig Reizung, Milieuumbau und sogar Entzündung.

 

Durch das Weglassen der Mehrfachzucker und der Stärke würde dieser Prozess unterbrochen und die Darmschleimhaut könnte sich wieder erholen und basischer werden. So die Theorie.

 

In der Praxis reibt man sich dann doch eher die Augen...

 

Stärke weglassen, das würde auch bedeuten, so leichtverdauliche Nahrungsmittel wie Reis oder Pellkartoffeln aus der Ernährung zu verbannen. Auf der Gegenseite sind bestimmte Früchte und (reine!) Fruchtsäfte erlaubt, mithin Dinge, die ich keinem Betroffenen einer chronischen Darmentzündung antun würde - zumindest auf keinen Fall im "Schub". Merkwürdigerweise sind auch "klare" Schnäpse erlaubt, wobei der gesunde Menschenverstand sicherlich "dringend" rät, diese bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen von vornherein eher wegzulassen, auch wenn sie keine Mehrfachzucker enthalten.

 

Wenn der gesamte Ansatz der speziellen Kohlehydratdiät im Bezug auf das Ernährungs(un)wesen allgemein durchaus interessant und überlegenswert erscheint (wenn auch nicht aus den oben genannten Gründen), so rate ich CED'lern von der speziellen Kohlehydratdiät eher ab. Aus diesen Gründen:

 

  1. Milieuveränderungen können aus sehr verschiedenen Gründen heraus entstehen. Also erst die Ursache untersuchen, dann handeln
  2. Die spezielle Kohlehydratdiät ist schwer einzuhalten - und soll erst nach 2-3 Jahren "Heilung" herbeiführen
  3. Es ist schwierig, mit dieser Diät mit leicht verdaulichen Nahrungsmitteln auf eine gute Energieversorgung und einen ausgewogenen Nährstoffgehalt zu kommen
  4. Es gibt im Bereich der Diäten für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen leichtere Diäten, die ebenfalls positive Effekte haben und viel unkomplizierter einzuhalten sind
  5. Bei der speziellen Kohlehydratdiät kann es dazu kommen, dass man durch Heißhungergefühle dem Körper mehr Eiweiß oder mehr Süßes mit Einfachzuckern zumutet, als diesem bekommt.

 

Meine Empfehlung: wenn Sie diese Diät ausprobieren wollen, dann sollte sie binnen 6 Wochen einen deutlichen Unterschied machen. Oder Sie lesen in meinem Ernährungsratgeber mehr über die spezielle Kohlehydratdiät und die verschiedenen Alternativen!

 

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