Positives Denken - so verdrängen Sie Ihre Krankheit

Mit "positivem Denken" habe ich schon vor vielen Jahren so meine Erfahrungen gesammelt - negative.

 

Und gerade vernehme ich wieder oft von solchen Besserwissern und Schlaumeier-Gurus die Worte, ich hätte das ja alles ganz falsch gemacht und man müsse das schon richtig machen. Also: positives Denken für mehr Schuldgefühle!

 

Mal im Ernst: was soll der Satz: "Es geht mir jeden Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser" bewirken? Wer ist so naiv zu glauben, dass vom Herunterleiern solcher Sätze die Krankheit irgendwie beeindruckt ist? Auch diese so genannten Mentaltechniken sind nicht viel besser, denn mental bedeutet, dass sie vom Verstand ausgehen. Und der ist für die tiefenpsychologische Exploration einer chronischen Krankheit ungefähr so bedeutend wie die Wettermeldung für Oberägypten, dass gerade die Sonne scheine.

 

Mit dem Verstand können Sie nur eins machen: die Signale Ihres Unterbewusstseins - denn auf die kommt es wirklich an - zu unterdrücken. Wenn es aber stimmt, was Psychosomatiker sagen, dass Krankheitsthemen im Unterbewusstsein abgespeichert sind, dann sind Sie besser beraten, das Unterbewusstsein zu öffnen und nicht zu ignorieren.

 

Nehmen wir einmal an, Sie wohnen in einem Haus, und kümmern sich tagtäglich um die Pflege und Dekoration der oberen Stockwerke - vernachlässigen aber völlig den Keller. Dann sind Parterre und erster Stock blitzsauber, hübsch eingerichtet und dekoriert - und was im Keller vorgeht, das wissen Sie nicht, bis Sie eines Tages unbedacht die Tür öffnen:

 

der Gestank kommt Ihnen entgegen, es riecht modrig, faulig, irgendwo tropft es, eine Ratte wieselt Ihnen gerade über die Füße und eine Spinne seilt sich vor Ihren Augen ab.

 

Was werden Sie tun? Den Keller rosa streichen oder erst einmal gründlich ausmisten?

 

Wenn Sie nicht ganz verquer sind, wahrscheinlich Letzteres, oder?

 

"Positiv-Denker" werden allerdings den Keller, so wie er ist, rosa anmalen. Das wird aber die Ratten, die Spinnen, den Gestank und den Schimmel nicht wegzaubern. Nein, Entrümpeln ist angesagt. Um allerdings die Tür zum Keller öffnen zu können, müssen Sie sich von den oberen Etagen abwenden. D.h., sie müssen "chaotisch" werden: eine Viertelstunde das Kopfkissen verprügeln, dabei unverständliche Urlaute ausstoßen oder auf einen Sandsack eindreschen und möglichst verrückt um ihn herumtanzen. Schütteln, Schlagen, Springen.

 

Es wird eine Weile dauern, bis sich die Tür öffnet, und was dann herauskommt, ist nicht angenehm. Für Sie nicht, für Ihre Umwelt auch nicht. Aber es hilft Ihrem Bauch. Glauben Sie mir, ich hab's ausprobiert! Und es geht vorbei...

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