Warum ich mit Azathioprin auf Kriegsfuß stehe…

Wenn ich mir diverse Foren so anschaue – ich will an dieser Stelle keine Namen nennen – staune ich immer wieder, wie sehr Azathioprin (das Standard-Immunsuppressivum zur Unterdrückung von Crohn- und Colitis-Symptomen) in den Himmel gelobt wird.

 

Ich finde, es hat es nicht verdient.

 

Ein Gastroenterologe wird so argumentieren: Sie können nicht lange Zeit mit Kortisonpräparaten die Entzündung behandeln, weil Sie da die ganzen Nebenwirkungen bekommen: von Cushing-Syndrom bis hin zu Diabetes II und Osteoporose. Mit Azathioprin können wir das vermeiden.


Einiges, was Kortison an Nebenwirkungen so mit sich bringt, lässt sich vermeiden, stimmt. Aber dafür gibt es viele andere nette Sachen. Wobei, ich bin mir sicher, dass etliche Langzeit-Azathioprin-Anwender sich irgendwann auch mit Diabetes II konfrontiert sehen, denn immerhin 10% aller Patienten haben eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse als Nebenwirkung. Und, mal so zur Erinnerung: dort befinden sich auch die Insulin produzierenden Zellen.

 

Azathioprin setzt das Langzeit-Krebsrisiko durch langfristige Unterdrückung des Immunsystems mehr rauf als eine chronische Kolitis es je könnte. Also, bitte dann nach 10, 15 oder 20 Jahren der „Langzeittherapie“ bitte nicht über Enddarmkrebs oder Non-Hodgin-Lymphom aufregen.

 

Wenn Sie den Stoffwechsel und die Entgiftungsfähigkeit Ihrer Leber nachhaltig beeinträchtigen wollen, ist neben großen Mengen Alkohol oder Rausch- und Suchtdrogen Azathioprin eine interessante Alternative. Nur keine so vergnügliche.

 

Darmkranke „auf“ Azathioprin sind in der Naturheilkunde-Praxis wesentlich schwerer zu behandeln als solche auf Kortison, denn Azathioprin unterdrückt nachhaltig die natürlichen Entgiftungs- und Abwehrmechanismen. Und gerade die wollen wir ja „ansprechen“.

 

Um objektiv zu bleiben: ich setze mal den Link zu einer reinen, neutralen Patientenseite für Erfahrungsmitteilungen, damit Sie sich selbst ein Bild von diesem Medikament machen können. Wann ich so etwas einnehmen würde, habe ich ja bereits in einem Blogeintrag vom 25. September dargelegt.

 

Hier geht's zur Seite...

 

Manchmal geht's nicht ohne, stimmt. Aber wie gesagt: für mich wäre Azathioprin ein "Last Resort" Medikament. Hat man es ja schließlich immerhin jahrzehntelang eingesetzt, um Abwehrreaktionen auf Organtransplantationen zu unterdrücken (also wirkt es schon ziemlich stark).

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Kommentare: 4
  • #1

    Kirsten (Samstag, 01 April 2017 23:38)

    Hallo! Bei meiner 10 jährige Tochter wurde im Januar colitis ulcerosa diagnostiziert. Die Kortison Behandlung hat sofort angeschlagen. Jetzt sind wir bei 7,5 g und sie hatte diese Woche 2 x leichte Durchfälle mit Blut. Zusätzlich nimmt sie noch 2 x 1000 mg Salofalk Granulat täglich . In letzter Zeit klagt sie über Schmerzen im Oberbauch und Magengrummeln.
    Der Gastroenterologe möchte unbedingt eine Azathioprin-Therapie beginnen. Und mir graut davor! Gibt es wirklich keine Alternative zu dem Immundepressiva?

  • #2

    Andreas Ulmicher (Sonntag, 02 April 2017 19:33)

    Hallo!

    Bei einem zehnjährigen Mädchen wäre ich ebenfalls sehr skeptisch. Mittlerweile habe ich sogar nach weiteren Patientenbeobachtungen das Gefühl, dass sogar die ganz neuen Medikamente (Humira, Remicade, Entyvio) im Verhältnis zu ihrer Wirkung schonender sind als Azathioprin.

    In der Naturheilkunde sehen wir die Erkrankungen immer individuell. Eine "allgemein gültige" Alternative zu den Immunsuppressiva gibt es nicht, sondern es gibt viele verschiedene natürliche Arzneimittel, die wenig bis keine Nebenwirkungen haben aber ebenso wie die Medikamente der Medizin unterschiedlichen Nutzen von Person zu Person entfalten. Gehen Sie doch einfach mal auf die Startseite und laden sich "die 12 besten Naturheilmittel" (PDF) herunter. Dies hilft Ihnen vielleicht schon etwas weiter!

    Andreas Ulmicher

  • #3

    Ralf Voß (Montag, 12 März 2018 14:17)

    Guten Tag!
    Den skeptischen Kommentaren stimme ich zu. Ich betone aber, daß ich weder der oft zu Unrecht gescholtenen Pharmaindustrie, noch den behandelnden Ärzten die Schuld gebe - das wäre bei der Komplexität der Materie ein zu billiger Vorwurf.
    Wegen eines Guillaine-Barré-Syndroms (GBS), das inzwischen chronisch geworden und zur CIDP mutiert ist, bin ich seit über 10 Jahren in ärztlicher Behandlung. Eine sehr teure Therapie mit GAMUNEX war zunächst erfolgreich, bis Jahre später die schmerzhaften Symptome erneut auftraten und in kurzen Intervallen immer wieder kamen. Das veranlaßte den Neurologen, mich auf die Behandlung mit AZATHIOPRIN i.V.m. stärkeren Kortisongaben umzustellen. Der "Erfolg": Die Schmerzen sind nicht geringer geworden - eher ist das Gegenteil der Fall. Nebenwirkungen wie massive Schlafstörungen und ständige Schläfrigkeit tagsüber haben sich verstärkt.
    Da ich auch an Osteoporose und Rheuma leide, eine Lungenembolie sowie einen Herzinfarkt überlebt habe und Asthmatiker bin, gehöre ich zu den (Risiko-)-Patienten, die sich einer an sich widersprechenden Medikation aussetzen müssen. Das haben die behandelnden Ärzte bisher einigermaßen hinbekommen. Das Problem bleiben die Dauerschmerzen und die Tagesschläfrigkeit, die unter AZATHIOPRIN stärker geworden sind.
    Ralf Voß

  • #4

    Andreas Ulmicher (Montag, 12 März 2018 16:48)

    Sehr geehrter Herr Voß,

    Mein Blog stammt aus 2012. Und da ich in der Zwischenzeit einiges mit Ärzten und "Schulmedizin" erlebt habe, hat sich meine Meinung dazu auch etwas relativiert. Bei Aza habe ich dazu den Eindruck, dass es auf der einen Seite zu unspezifisch, aber auf der anderen Seite ziemlich problembehaftet ist.

    Gerade wenn man mal eine Therapie mit Immunglobulinen hinter sich gebracht hat, reagiert das Immunsystem (meiner Erfahrung nach) auf relativ unspezifische Immunsuppressiva ziemlich ungnädig. Azathioprin und Gamunex stehen sich zwar nicht von ihrer Wirkung her diametral, aber doch "im leichten Winkel" gegenüber.

    Mit dem Problem heikler Wirkstoffkombinationen werde ich in der Praxis ebenfalls immer häufiger konfrontiert, vor allen Dingen beim chronischen Erschöpfungssyndrom. Vielleicht hilft Ihnen ja mein neues Buch "Andreas Ulmichers Ratgeber chronische Erschöpfung" (rechts abgebildet, einfach einmal drauf klicken) irgendwie weiter? Da habe ich viel über das Immunsystem im Zusammenhang mit Erschöpfungskrankheiten geschrieben.

    Herzliche Grüße
    Andreas Ulmicher