Aus meiner eigenen Erfahrung...

Sie werden es nicht glauben: aber auch in der Schulmedizin gab es mal eine Zeit, da hat man sich über die Ernährung bei Morbus Crohn Gedanken gemacht. Als ich in 1987 im Krankenhaus lag, mit meinem ersten großen Schub (der, wie Sie wissen, wenn Sie meine Geschichte gelesen haben, beinahe tödlich für mich ausgegangen wäre), war man immerhin schon so weit, einzusehen, dass es besser war, Milchprodukte, Schweinefleisch und vor allen Dingen Zitrusfrüchte weg zu lassen.

 

Ich kann mich dunkel erinnern, dass eine (nette) Krankenschwester einen gewaltigen Rüffel kassierte, als ich einmal Orangensaft zu trinken bekam, was, wie Sie sich sicherlich vorstellen können, katastrophale Folgen hatte. Stellen Sie sich einfach einen Einlauf aus Orangensaftkonzentrat auf einen hochentzündeten Darm, der quasi „wie rohes Fleisch“ aussah, vor. Nicht wirklich gut, oder was denken Sie. Die zweistündigen Höllenqualen, die ich auf der Toilette ausstand, ließen für einen der wenigen Augenblicke wirklich den Gedanken aufkommen, dass es besser sei, doch jetzt abzutreten.

 

Was heute jeder, aber wirklich JEDER Patient weiß, wenn er meine Praxis aufsucht (auch wenn er vorher keinen Blick in eines meiner Bücher geworfen haben sollte), scheint in der Medizin uninteressant geworden zu sein. Was ich in letzter Zeit so vernehme, wird man diesbezüglich auch nur noch von wenigen Ärzten aufgeklärt.

 

Wahrscheinlich ist das Vertrauen in die neuen Medikamente so unerschütterlich, dass man glaubt, die einfachsten Regeln schonender Ernährung ignorieren zu können. (Achtung, Ironie: „Im Zweifelsfall sind es sowieso die Gene!“) Aber auch das ist nur meine Erfahrung, und vielleicht ist es ja gerade DER Faktor, der Patienten irgendwie zu mir treibt.

 

Könnte natürlich auch sein, dass sich Patienten schon gar nicht mehr trauen zu fragen, was sie denn nun essen oder trinken dürfen…aber lassen wir das mal dahin gestellt…

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