Philosophisches: worum geht es bei "Heilung"

Ja, ich weiß, „Heilung“ ist ein böses, böses Wort – zumindest wenn Sie einer Selbsthilfegruppe für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen angehören. Aber falls Sie diese Seite hier lesen, gehören Sie rein statistisch gesehen sowieso mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit einer Selbsthilfegruppe an als wenn Sie diese Seite ignorieren.

 

O.k., Scherz beiseite…

 

Mir geht es auch nicht so sehr um das Thema „Heilung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“ sondern um den Heilungsbegriff im medizin-philosophischen Sinne. Ich bin auf das Thema gekommen, weil ich ausgerechnet während meiner wenigen freien Tage jetzt einer Virusgrippe anheimgefallen bin (der Heftigkeit meiner Erkrankung und der Höhe des Fiebers nach war es eine „Richtige“, obwohl ich das natürlich nicht mit letzter Sicherheit sagen kann – aber einen banalen, grippalen Infekt registriere ich normalerweise dadurch, dass es zwei Stunden in der Nase kribbelt, ich zwei bis dreimal niese und das Thema ist durch…).

 

Jedenfalls habe ich das ganze Brimborium mit Schüttelfrost, hohem Fieber, massiven Gliederschmerzen, akuter Kreislaufschwäche und Schweißausbrüchen wie während einer Hitzewelle in der Sahel-Zone von A bis Z durch – und bin durch, ohne bleibende Schäden zumindest (abgesehen von ca. 4 kg Gewichtsverlust. Und nein, ich hatte keinen Durchfall!).

 

Womit wir zum Punkt kommen: eine Virusgrippe (oder ein grippaler Infekt) ist eine akute Krankheit. Und eine akute Krankheit – wodurch auch immer sie ausgelöst wird – lässt drei Möglichkeiten offen:

 

  1. Sie heilt aus
  2. Man kommt davon, aber nicht ohne bleibende Schäden (Beispiele: Kinderlähmung oder Pilzvergiftung)
  3. Man stirbt dran

 

Greift die Medizin in ein solches Geschehen ein, besteht die Möglichkeit, dass Sie günstig beeinflusst wird. Beispiel:

 

Bakterielle Superinfektion + Immunschwäche = Tod

Bakterielle Superinfektion + Immunschwäche + Antibiotikagabe = noch mal davongekommen

 

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: die Medizin (gemeint ist hier die „Schulmedizin“) kann also verhindern, dass eine akute Krankheit zu bleibenden Schäden oder zum Tod führt. Es gelingt ihr natürlich nicht immer, aber das wäre schätzungsweise auch zu viel verlangt. Im Gegenzug: viele akute Krankheiten heilen „von alleine“, wie meine Erfahrung der letzten 5 Tage zeigt. Ich habe keine Medikamente dazu genommen, auch keine homöopathischen oder pflanzlichen, erst recht natürlich keine chemisch-pharmazeutischen.

 

Mit ein wenig Spitzfindigkeit könnte man daraus eine Frage formulieren: „Wenn die Medizin hilft, dass keine Schäden entstehen oder die Krankheit zum Tode führt, was hat das mit der eigentlichen Heilung als solche zu tun, wenn diese auch von alleine geschehen kann?“ Die Antwort ist aber relativ simpel: die Medizin kann helfen, das Risiko für Tod oder bleibende Schäden zu senken und so die Steine aus dem Weg zu räumen, die der Heilung im Weg sind.

 

Die Heilung aber muss von alleine geschehen. Oder: „Medicus curat, natura sanat“: der Arzt pflegt, die Natur heilt“.

 

Und das können wir natürlich auch auf chronische Krankheiten ausdehnen, gerade auf Crohn und Colitis: die Medizin hat im Laufe der Jahre immer neue Medikamente entwickelt, um Risiken und bleibende Schäden zu minimieren. Aber sie ist dem so hoch formulierten Ziel der „Heilbarkeit“ keinen Schritt näher gekommen. Oder um das bereits gesagte sozusagen Mathematisch zur logischen Schlussfolgerung zu führen (aus alten Studientagen: man nennt das das Prinzip der „vollständigen Deduktion“): was nicht „von alleine“ heilt, kann die „Schulmedizin“ auch nicht heilen. Punkt.

 

Aber um mal den Ball flach zu halten: die Naturheilkunde kann’s auch nicht. Sie versucht nur bei chronischen Krankheiten die Steine aus dem Weg zu räumen, die wiederum einer möglichen Heilung im Weg stehen. Manchmal klappt es. Sogar oft. Aber eben nicht immer.

 

Aber das wäre auch zu viel verlangt…

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