Epigenetik – endlich ein Schritt in die richtige Richtung?

Während es mittlerweile nicht nur in Naturheilkunde-, sondern auch in Medizinerkreisen ähnlich abgedroschen wie ein 20 Jahre alter Werbeslogan wirkt, bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen die Gene ins Feld zu führen, ist das Gebiet der Epigenetik wieder interessant – auch für alternativ denkende Therapeuten. Denn es geht um nichts Geringeres als die Verbindung zweier bisher scheinbar unvereinbarer Gegensätze: Genetik und Umweltfaktoren.

 

Dass wir, rein physikalisch gesehen, das Produkt von Genen + Umweltfaktoren sind, wird heute niemand mehr bestreiten. Dass Umwelt auf Gene wirkt und die wiederum (sehr langfristig) unser gesundheitliches Schicksal bestimmen, das ist das Neue und spannende an der Sache. Und macht die Einflüsse bestimmter Gene auf Krankheiten und ihre Verläufe viel nachvollziehbarer. Wir können Morbus Crohn nicht allein mit einem Defekt von NOD2CARD15 erklären, aber wir können Probleme mit der Genexpression (dass die richtigen Stoffwechselknöpfe gedrückt werden, die eine Aktivierung des Gens möglich machen – oder eben nicht, also mehr ein Fall von Aktivität oder Inaktivität) als Begründung für das Auftreten einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung – oder einer anderen chronischen Krankheit durchlaufen lassen.

 

Die geeignetsten Kandidaten sind die immunologischen Erkrankungen, von Diabetes Typ I (Autoimmun-Diabetes) über MS bis hin zu Crohn und Colitis, und wenn wir Viren hernehmen (wie Beispielsweise EBV), die ein wenig Sand ins Stoffwechselgetriebe schütten lassen (um es einmal sehr Laienhaft auszudrücken) und so die Genexpression bestimmter Gene hemmen lassen, die notwendig sind, damit Zellen im Darm das Milieu im grünen Bereich halten, wird ein Schuh draus.

 

Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen in diesem Gebiet.

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