Der Stellenwert von Kortison(präparaten) - heute

Als das Medikament "Budesonid" in den 90ern entwickelt und auf den Markt gebracht wurde, waren sich in der Pharmazeutischen Gilde alle einig: "Toll, jetzt können wir bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ein Präparat anbieten, das die Wirkungen von Kortison lokal - im Darm - bietet, und viel weniger Nebenwirkungen als systemisch wirkende Kortisonpräparate.

 

Klang gut, klang auch für mich gut - obwohl ich zu der Zeit mit chemisch-pharmazeutischen Medikamenten schon nicht mehr allzu viel am Hut hatte. Aber für die Patienten mit CED war es gut. Bis auf eine Kleinigkeit: für mich hat sich bis heute bestätigt, dass Budesonid auch lange nicht die generell entzündungshemmende Wirkung etwa von Prednisolon besitzt.

 

Das liegt daran, dass Prednisolon und Co., also "systemisches" Kortison auch noch die "systemische" Wirkung als Langzeitstresshormon hat - und gerade diese Hilfe für das körpereigene Stressmanagement bei chronischen Entzündungen (nicht nur des Darms) nicht zu unterschätzen ist - besonders im akuten Schub.

 

Ich denke daher auch als Heilpraktiker nicht, dass Kortison, insbesondere systemisch wirkendes, seinen Stellenwert in der Therapie der akuten Schübe bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verlieren wird. Trotz seiner offensichtlichen Nebenwirkungen, die aber immerhin berechenbar sind, und trotz dem wohl nicht aufzuhaltenden Vormarsch der Biologicals (Substanzen wie Adalimumab, Infliximab, neuerdings Etanercept und noch einigen anderen, die in der Warteschleife der Zulassung harren). Kortison ist zwar ein Übel, wird aber wohl auch in absehbarer Zukunft ein notwendiges Übel bleiben, zumal ich persönlich der Meinung bin, dass Biologicals aufgrund ihrer schlecht berechenbaren Nebenwirkungen immer noch mit Vorsicht zu genießen sind.

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