Die Rolle von Transkriptionsfaktoren bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Wenn ich medizinische Forschungsarbeiten lese, läuft alles irgendwie immer auf denselben Tenor hinaus: da sind irgendwelche Proteine, die die Bildung bestimmter Zellgruppen steuern, verhindern, oder eben den „organisierten Zelltod“ (auch Apoptose genannt) steuern oder verhindern. Diese Dinger nennt man „Transkriptionsfaktoren“. Einige fördern die Bildung von entzündungsrelevanten Botenstoffen, den so genannten „Interleukinen“. Die sind dann wiederum verantwortlich dafür, dass die Entzündung entstehen kann. Und Krebs. Später.

 

Letzterer Zusammenhang wurde daraus abgeleitet, dass mit einer Colitis ulcerosa, die langfristig chronisch aktiv ist, das Krebsrisiko im Enddarmbereich ab ca. 55 ansteigt. Und in diesen Tumoren eine erhöhte Konzentration an Interleukinen nachgewiesen wurde.

 

Jetzt kommt die Schulmedizinische Logik: „Interleukine sind schlecht, sie machen Entzündung und Krebs, deswegen müssen wir ihr Entstehen verhindern und die Stoffe, die ihre Entstehung einleiten (z.B. die Transkriptionfaktoren) hemmen.“

 

Dazu fällt mir eine Analogie ein: Stechmücken nerven uns auch jeden Sommer, aber was wäre, wenn es sie gar nicht gäbe?

 

Richtig: es wäre eine Lücke in unserem gesamten Ökosystem. Und das trifft natürlich auch auf das Ökosystem Darm zu. Wenn Interleukine fehlen, haben wir auch eine Lücke im Ökosystem Darm. Erinnern wir uns: Interleukine, also Entzündungs- und Immunbotenstoffe werden nur dann freigesetzt, wenn es irgendein Problem gibt, genauso wie die Polizei nur dann gerufen wird, wenn es irgendein Problem gibt. Interleukine sind auch in einem vollkommen intakten und gesunden Darm vorhanden und werden synthetisiert, und richten dort keinerlei Schaden an. Im Gegenteil ist eher zu vermuten, dass die gewaltsame Verhinderung ihrer Herstellung Probleme aufwirft, analog wie man zurzeit häufig beobachtet, dass das pharmakologische Senken von Cholesterin bei den Betroffenen zu Problemen führt.

 

Nur dass diese Probleme – oder in der Pharma-Sprache: „Nebenwirkungen“ – wahrscheinlich nicht so unmittelbar und kräftig in Erscheinung tritt wie beispielsweise bei einer Therapie mit Kortikoiden. Aber vergessen wir nicht: durch die Therapie, die eine Handhabe ist, die „Guten“ in Ruhe zu lassen, werden auch die „Bösen“ in Ruhe gelassen, was langfristig zu einer erheblichen Immunschwäche führt – und da sind häufige Infektionen nur der Anfang. Das Krebsrisiko wird auch dann erhöht werden und bleiben – nur eben an anderen Stellen als im Darm.

 

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